Keine Angst vor der Weisheitszahn OP

Dieser Artikel spiegelt meine eigenen Erfahrungen wieder, die ich während meiner Weisheitszahn OP gemacht habe, als mir alle vier Weisheitszähne entfernt wurden. Er ersetzt natürlich nicht das Beratungsgespräch mit deinem Arzt!


Du hast von Deinem Zahnarzt erfahren, dass Du Dir Deine Weisheitszähne entfernen lassen musst? Das ist sicher erst mal keine so schöne Nachricht, schließlich kommt nun eine richtige Operation auf Dich zu. Aber heutzutage ist der Eingriff an sich ganz harmlos und kann auch in Vollnarkose durchgeführt werden. Doch warum müssen die Zähne überhaupt gezogen werden und können nicht einfach wachsen? Und wie läuft eine Weisheitszahn OP überhaupt ab? Und was musst Du davor und danach beachten? Dies und mehr verrate ich dir im nachfolgenden Artikel.

Warum muss der Weisheitszahn raus?

Evolutionär betrachtet ist der Weisheitszahn der dritte große Backenzahn. Wächst er an korrekter Stelle und in korrekter Lage, muss er nicht entfernt werden. Weisheitszähne entwickeln sich allerdings nicht immer gleich, es können ihnen Wurzeln fehlen und die Anzahl ihrer Höcker variiert erheblich. Gelegentlich sind sie vollkommen deformiert und können gar nicht richtig wachsen und werden als retiniert bezeichnet. Retiniert heißt, dass sie grundsätzlich angelegt sind, brechen aber nicht durch. An einer solchen Situation können leicht Entzündungen entstehen und dann muss der Weisheitszahn auf jeden Fall entfernt werden.

Weisheitszahn OP - Informationen, Schmerzen, KostenIn vielen Fällen ist ein anderer Grund die Ursache für eine Weisheitszahn OP. Dann nämlich, wenn die Weisheitszähne horizontal liegen und bei ihrem Wachstum Probleme am benachbarten Backenzahn verursachen. Und manchmal ist zwar der Weisheitszahn an sich in Ordnung, der Kiefer ist aber zu eng um noch einen weiteren Zahn aufzunehmen. Spannungsschmerzen und Zahnfehlstellungen wären die Folge, sofern der Weisheitszahn nicht entfernt würde. Übrigens: Nicht jeder Mensch verfügt über alle vier Weisheitszähne, manche bekommen nur drei, andere bekommen gar keine.

Wenn Dein Zahnarzt Dir also mitgeteilt hat, dass Deine Weisheitszähne entfernt werden müssen, dann liegt in der Regel eines dieser Probleme vor und die Zähne sollen entfernt werden um, Dir Folgeprobleme zu ersparen. Anhand eines Röntgenbildes kann der Zahnarzt erkennen, wie die Weisheitszähne liegen und wie weit sie entwickelt sind. Für erfahrene Zahnärzte und Kieferchirurgen ist die Weisheitszahn OP ein Routineeingriff. Die Kosten für die Operation werden von allen privaten und gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Vor der Operation

Entscheidung zwischen örtlicher Betäubung und Vollnarkose

Welche Entscheidung Du letztlich triffst ist ganz Dir überlassen. Eine örtliche Betäubung ist grundsätzlich für den Körper schonender als eine Vollnarkose und hätte darüber hinaus auch den Vorteil, dass Du direkt nach der Operation wieder fit bist und nach Hause gehen kannst. Wer allerdings große Angst vor dem Eingriff hat, muss nicht unbedingt den Tapferen spielen, wenn er sich so gar nicht danach fühlt. Dann kannst Du Dir auch eine kurze Narkose geben lassen und verschläfst die ganze Operation einfach.

Wenn Du Dich für die örtliche Betäubung entschieden hast, brauchst Du dich nicht speziell vorzubereiten. Im Gegensatz zur Operation unter Narkose solltest Du jedoch auf keinen Fall nüchtern zur Operation kommen. Auch wenn der Eingriff unter örtlicher Betäubung schmerzfrei verläuft, handelt es sich um eine aufregende Angelegenheit. Damit Dein Kreislauf stabil bleibt, solltest Du ein gutes Frühstück zu Dir nehmen.

Wenn Du Dich für die Vollnarkose entschieden hast, darfst Du am Operationstag nichts essen und zwei Stunden vor der Operation auch nichts mehr trinken. Es kann sein, dass Du während der Operation über einen Beatmungsschlauch intubiert wirst, daher muss der Magen während des Eingriffes leer sein.

Für eine Vollnarkose solltest Du Deine Krankenversicherung nach der Kostenübernahme befragen, manche Krankenkassen übernehmen bei Entfernung mehrerer Weisheitszähne in einer Operation die Kosten für die Narkose. Bei mir hat dies leider nicht funktioniert, ich musste die Kosten für die Vollnarkose damals selber bezahlen, da meine Krankenversicherung die Kosten nur bei Angstpatienten übernommen hat. Und dies hätte ich mir von einem Psychologen bescheinigen lassen sollen, was für mich zu viel Aufwand war, da ich mehrere Sitzungen dafür benötigt hätte. Ich habe mich trotzdem für eine Vollnarkose entschieden und die Kosten – ich meine es waren etwa 240 Euro – selber getragen.

Wenn Du eine Zahnzusatzversicherung hast, dann solltest Du die auf jeden Fall auch fragen, manche Anbieter zahlen die Kosten für die Vollnarkose.

Der Ablauf der Weisheitszahn OP

Wenn Du Deine örtliche Betäubung erhalten hast oder in Vollnarkose bist, beginnt für den Zahnarzt oder Kieferchirurgen die Entfernung des Weisheitszahns. Auf dem Röntgenbild kann er schon erkennen, wie der Zahn liegt und ob mit Schwierigkeiten zu rechnen ist, beispielsweise, weil der Zahn sich verkeilt hat. Er öffnet dann die Schleimhaut über dem Zahnfach des Weisheitszahns und erweitert gegebenenfalls den Knochen des Zahnfaches, so dass der Zahn hindurch passt.

Dann beginnt er mit der Heraustrennung des Zahns. Ist der Zahn sehr deformiert und eingekeilt, kann es sein, dass er den Zahn zunächst in kleinere Stücke zerteilen muss. Ist der Zahn dann endgültig entfernt, wird die Wunde zugenäht. Werden mehrere Weisheitszähne in einer Operation entfernt, so wiederholt der Zahnarzt den Vorgang an allen Weisheitszähnen.

Mögliche Komplikationen bei der Weisheitszahn OP

In der Regel läuft die Operation ganz problemlos ab, doch wie in allen Lebenslagen kann es natürlich auch hier zu unvorhersehbaren Ereignissen kommen. Ist beispielsweise der zu entfernende Weisheitszahn sehr deformiert und lässt sich schwer greifen, so kann er im Ganzen oder in Teilen in die Kieferhöhle abrutschen. Dann muss der Zahnarzt eine größere Operationsöffnung machen, was natürlich zu einer längeren Naht und einer größeren Wunde führt.

Insgesamt kann es zu Schwellungen in der Mundhöhle und im Wangenbereich kommen. Es kann auch sein, dass Du den Mund in den ersten Tagen nicht so weit öffnen kannst. Auch kann es sein, dass Du nach der Operation Schmerzen im Operationsbereich bekommst.

Um Entzündungen und Schmerzen zu vermeiden wird Dir Dein Zahnarzt in der Regel direkt nach der Operation ein Rezept über ein Schmerzmittel und ein Antibiotikum mitgeben. Das Schmerzmittel sollte eingenommen werden, bevor die Wirkung der Betäubung nachlässt, damit der Schmerz gar nicht erst aufkommt. Da Du Dich für den restlichen Tag schonen solltest, wird Dein Arzt Dir eine Krankmeldung für den Operationstag ausstellen, bei Entfernung aller vier Weisheitszähne vermutlich noch einen oder zwei Tage länger.

Verhalten nach der Operation

Am Operationstag

Schwellungen nach der Weisheitszahn OP sind normalBitte plane keine weiteren Aktivitäten für den Tag der Operation ein, sondern schone Dich heute. Lege Dich am Besten mit einer Erhöhung für den Kopf hin und kühle Deine Wangen alle 20 Minuten. Bei vielen Menschen treten nach der Operation Schwellungen an den Wangen auf, die Du mit regelmäßigem Kühlen etwas eindämmen kannst.

Auf koffeinhaltige Getränke wie Kaffee solltest Du heute auf jeden Fall verzichten, da das Koffein Nachblutungen fördern kann. Auch Alkohol und Nikotin sind absolut verboten nach der Operation! Nimm heute maximal Breikost oder Suppen zu Dir, auf Milchprodukte solltest Du die ersten Tage komplett verzichten.

Auch am Operationstag solltest Du Deine Zähne reinigen, die OP-Wunden dabei aber aussparen. Hier kann stattdessen Chlorhexamed-Mundspülung zur Reinigung verwendet werden. Denk daran, die verordneten Medikamente einzunehmen. Stellst Du fest, dass eine Wunde nachblutet oder dass Du starke Schmerzen bekommst, scheue Dich nicht, Deinen Zahnarzt noch einmal aufzusuchen. Auch wenn Du eine starke Schwellung im Gesicht bekommst, die über das zu erwartende Maß hinaus geht, suche bitte ebenfalls umgehend Deinen Zahnarzt auf.

In den folgenden Tagen

In der Regel steht am zweiten Tag nach der Operation eine kurze Kontrolle beim Zahnarzt an, bei der der Zahnarzt nur schaut, ob alle Nähte intakt sind und ob sich auch keine Entzündungen gebildet haben. Die Nähte selber bleiben für etwa zehn Tage in Deinem Mund und werden dann gezogen.

In den Tagen nach der Operation solltest Du auf Sport, schweres Heben und Bücken verzichten. Die Wunden sind noch nicht richtig verheilt und es besteht die Gefahr der Wundöffnung und der Entzündung. Auch wenn Du grundsätzlich wieder arbeiten kannst, solltest Du Dich zumindest keinen allzu starken körperlichen Belastungen aussetzen. Hast Du noch sehr starke Schwellungen im Gesicht, solltest Du die Wangen auch weiterhin von außen kühlen.

Auch wenn Du den Eindruck hast, dass alles bestens ist, solltest Du Deine Antibiotika einnehmen, bis sie aufgebraucht sind. Bei Schmerzen kannst Du auch weiterhin ein Schmerzmittel einnehmen. Achte bitte auch weiterhin auf eine gute Mundpflege. Wenn Du den Eindruck hast, dass die Nahtstellen nicht mehr bluten, kannst Du die Stellen mit einer weichen Zahnbürste vorsichtig reinigen. Auch die Verwendung von Chlorhexamed Mundspülung eignet sich weiterhin um Infektionen zu vermeiden.

Solltest Du in den folgenden Tagen öfter mal einen Faden auf der Zunge haben, brauchst Du dir keine Sorgen zu machen. Ist die Wunde verheilt, steckt der Faden in sehr glatter Schleimhaut. Löst sich der Knoten, kann der Faden aus der glatten Schleimhaut herausrutschen und dann eben auf der Zunge liegen. Schleimhäute heilen übrigens sehr gut und sehr schnell, was Du in den Tagen nach der Operation feststellen wirst.

Bis Dein Gesicht komplett abgeschwollen ist kann es leider einige Tage dauern. Auch blaue Wangen gehören zu den üblichen Nebenwirkungen, welche erst ein paar Tage später verschwinden. Nach insgesamt 10 Tagen kann man dann aber grundsätzlich sagen, dass nun alles geschafft und überstanden ist. Jetzt musst Du nur noch einmal zu Deinem Zahnarzt und eine Endkontrolle durchführen lassen. Ist alles korrekt geheilt, zieht der Zahnarzt innerhalb weniger Minuten die Fäden, was noch ein letztes Mal ein wenig zwickt.

Abschließend

Zunächst mag es erschreckend sein, eine Operation vor sich zu haben. Doch tatsächlich ist das Entfernen der Weisheitszähne ein Routineeingriff, den erfahrene Zahnärzte bestens im Griff haben. Der Eingriff ist durch örtliche Betäubung oder Narkose auf jeden Fall schmerzfrei und gut zu überstehen. Wer die Weisheitszahn OP hinter sich hat fragt sich in der Regel, wovor er solche Angst hatte, denn die Operation an sich ist nicht schlimm.

Auch Schmerzen kann mit der zeitnahen Einnahme eines Schmerzmittels gut entgegengewirkt werden. Etwas unangenehmer sind dann die Tage danach, in denen das Gesicht angeschwollen und blau ist und der Mund – vor allem nach Entfernung aller vier Weisheitszähne – nicht richtig geöffnet werden kann. Aber auch diese unerwünschten Nebenwirkungen sind aber nach ein paar Tagen abgeklungen, und wenn dann nach zehn Tagen die Fäden gezogen werden ist wirklich alles vorbei.

Solltest Du noch Fragen haben, scheue nicht davor zurück, Deinen Zahnarzt zu befragen. Lass Dir alles genau erklären, bis wirklich alles Fragen beseitigt sind und Du ohne Sorgen in die Operation gehen kannst. Natürlich kannst Du mir auch gerne in die Kommentare schreiben, dann versuche ich darauf zu antworten, wenn es meine Erfahrungen hergeben.

2 Kommentare

  1. Hallo und vielen Dank für den interessanten Artikel. Dank dieses Artikel ist die Angst vor der Oralchirurgie etwas weniger geworden. Eure Tipps sind echt prima .

  2. Hallo und vielen Dank für den interessanten Artikel. Es ist schön hiervon zu lesen. Ich hoffe die Tipps helfen mir auch den Kieferknochenaufbau besser zu überstehen.

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